Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
81 Jahre nach Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft – stehen wir hier wieder erneut zusammen, um der unermesslichen Leiden und des unfassbaren Leids der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Wir erinnern an Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, politisch Verfolgte, Homosexuelle und all jener, die Opfer von Hass, Rassenwahn und Menschenverachtung wurden. Jeder einzelne von ihnen war Mensch, war ein Individuum – mit Namen, mit Familie und Geschichten, mit Hoffnungen und Träumen. Sie wurden auf menschenverachtende Art und Weise gewaltsam aus dem Leben gerissen.
Unser Gedenken ist nicht nur Erinnerung an das Vergangene, sondern Mahnung für die Gegenwart. Wir wissen: Die Würde des Menschen ist unantastbar – so steht es in unserem Grundgesetz; sie muss unser Handeln bestimmen, jeden Tag und überall. Daraus erwächst eine Verpflichtung für uns alle. Die Verantwortung zu übernehmen, wachsam zu bleiben und überall dort Haltung zu zeigen, wo Menschen ausgegrenzt, beleidigt oder bedroht werden.
Blicken wir heute auf unsere Welt, dann sehen wir, dass Gewalt und Krieg nicht nur etwas Historisches sind. In vielen Regionen der Erde leiden Menschen weiterhin unter bewaffneten Konflikten, Vertreibung und humanitären Krisen. In der Ukraine dauert der Krieg an, mit unzähligen Toten, Verletzten und Vertriebenen.
Im Sudan und anderen Teilen Afrikas haben gewaltsame Auseinandersetzungen Millionen Menschen in Not und Hunger gestürzt. In Nahost und anderen Regionen eskalieren wieder Gewalt und Leid – all dies zeigt uns, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeit sind.
Daher ist das Erinnern, gerade in der jetzigen Zeit, in der antisemitische, rassistische und extremistische Stimmen wieder lauter werden, von zentraler Bedeutung.
Demokratie, Freiheit und Menschenwürde sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen jeden Tag verteidigt werden – durch Zivilcourage, durch Bildung und durch ein klares Bekenntnis zu unseren demokratischen Werten.
Deshalb wird vor diesem Hintergrund deutlich:
Gedenken heißt auch – Verantwortung zu übernehmen, wo wir können. In Müncheberg setzen wir uns ein für eine offene, tolerante und vielfältige Gesellschaft. Wir stehen an der Seite all jener, die gegen Ausgrenzung, Rassismus und Gewalt eintreten. Wir stärken Bildung, Dialog und Menschlichkeit – in unseren Schulen, Vereinen und Gemeinschaften. Für uns ist dies ein verpflichtender, ein selbstverständlicher Beitrag. Denn, Erinnerung hat kein Verfallsdatum.
Unser Gedenken heute verbindet Vergangenheit und Gegenwart. Wir ehren die Opfer des Nationalsozialismus – und wir erneuern unser Versprechen: „Nie wieder!“.
Nie wieder dürfen Ideologien unsere Gesellschaft spalten.
Nie wieder dürfen Menschen wegen Herkunft, Glauben oder Überzeugung zu Feinden erklärt werden.
Nie wieder dürfen wir wegsehen, wenn Menschenrechte verletzt werden.
Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Erinnerung lebendig bleibt – als Verpflichtung für Frieden, für Freiheit und für die Würde jedes einzelnen Menschen, in einer offenen, menschlichen und solidarischen Gesellschaft.





