Am 8. Mai 2026 um 16:00 Uhr versammelten sich in der Karl-Marx-Straße 56 in Müncheberg zahlreiche Menschen zur Kranzniederlegung anlässlich des 81. Jahrestages des Tages der Befreiung. In stiller Atmosphäre erinnerte Bürgermeister Fritz-Georg Streichert mit einer Ansprache an die historische Bedeutung dieses Datums.
Seine Rede folgt im Wortlaut:
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Gäste,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Vereinen,
wir stehen heute Nachmittag hier zusammen, am 81. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa.
Am 8. Mai 1945 schwiegen endlich die Waffen. So schreibt es die Geschichte. Es war kurz vor Mitternacht nach Deutscher Zeit. Die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht wurde unterzeichnet.
Nach Jahren von Krieg, Terror, Vernichtung und unermesslichem Leid bedeutete dieser Tag das Ende einer Diktatur, die Millionen Menschen das Leben gekostet hatte.
Für viele Deutsche war dieser Tag damals zunächst mit Niederlage, Verlust und Unsicherheit verbunden.
Doch aus der heutigen, historischen Distanz wissen wir: Es war ein Tag der Befreiung. Befreiung von einem menschenverachtenden Regime, das Europa verwüstet und die eigenen moralischen Grundlagen zerstört hatte.
Auch Müncheberg war von den Folgen dieses Krieges gezeichnet. Familien verloren Angehörige. Häuser und Höfe wurden zerstört. Menschen mussten fliehen, hungern, neu anfangen. Diese Narben des Krieges blieben wie ein Geschwür über Jahrzehnte sichtbar – in den Straßen unserer Stadt, in den Biografien unserer Familien und in den Erinnerungen derjenigen, die den Krieg erlebt haben.
Doch genau diese Erinnerungen werden leiser.
Die Generation der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen verlässt uns. Menschen, die uns aus eigener Erfahrung berichten konnten, was Krieg bedeutet. Menschen, die uns erzählen konnten, wie schnell Demokratie verloren gehen kann, wenn Gleichgültigkeit, Hass und Menschenverachtung wachsen. Immer weniger wissen um diese menschlichen Abgründe des Seins.
Mit jedem Jahr wird daher unsere Verantwortung größer.
Denn Erinnerung darf nicht enden, nur weil die Stimmen der Zeitzeugen verstummen.
Aus diesem Grunde haben wir uns hier versammelt um diesen Stimmen Gehör zu verschaffen.
Gerade heute erleben wir, wie sich mancherorts ein verklärter Blick auf die Vergangenheit ausbreitet. Die Verbrechen des Nationalsozialismus werden relativiert, historische Zusammenhänge verkürzt dargestellt oder die Schrecken des Krieges verdrängt. Manche sprechen über diese Zeit, als sei sie nur ein fernes Kapitel der Geschichte.
Aber sie ist nicht fern.
Ihre Folgen reichen bis in unsere Gegenwart. Denn jene, die über einen unausweichlichen Krieg reden, wollen über die Menschenleben entscheiden, von deren Existenz sie nicht einmal wissen. Menschliches Leben verachten und einen Krieg gegen die eigene Art führen – das ist ein Verbrechen!
Der 8. Mai erinnert uns daher daran, wohin Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Menschenverachtung führen können. Er erinnert uns daran, dass Demokratie niemals selbstverständlich ist.
Freiheit, Frieden und Rechtsstaatlichkeit müssen geschützt werden – jeden Tag.
Und Verantwortung beginnt nicht irgendwo in der großen Weltpolitik. Verantwortung beginnt vor Ort. Hier in Müncheberg. In unseren Schulen. In unseren Vereinen. In den Familien. Im respektvollen Umgang miteinander. In unserem kleinen, gemeinschaftlichen Lebensraum.
Erinnerung bedeutet nicht, in der Vergangenheit stehenzubleiben.
Erinnerung bedeutet, aus der Vergangenheit Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen.
Dazu gehört der Mut, klar Stellung zu beziehen: Gegen Hass, gegen Antisemitismus, gegen Ausgrenzung, gegen jede Form von Extremismus.
Und dazu gehört ebenso die Bereitschaft, Demokratie aktiv zu leben – auch dann, wenn Diskussionen anstrengend werden oder Kompromisse schwerfallen.
Die Menschen, die 1945 aus Krieg und Diktatur heraus eine neue demokratische Ordnung aufgebaut haben, wussten, wie zerbrechlich Frieden ist.
Diese Erfahrung dürfen wir nicht vergessen. Ich selber denke dabei immer wieder an die Geschichte meiner Familie. Kennen Sie noch den Begriff „friedliebend“ und „völkerverbindend“? So bin ich aufgewachsen und wurde ich geprägt.
Gerade heute, in einer Zeit neuer Kriege in Europa, wachsender gesellschaftlicher Spannungen und zunehmender Verunsicherung, ist die Erinnerung an den 8. Mai 1945 wichtiger denn je.
Der Frieden fällt nicht vom Himmel.
Er braucht Menschen, die ihn verteidigen.
Mit Haltung. Mit Verantwortung. Mit Menschlichkeit.
Ich wünsche mir, dass Müncheberg auch weiterhin ein Ort bleibt, an dem Erinnerung bewahrt wird, an dem Menschen füreinander einstehen, an dem demokratische Werte nicht nur diskutiert, sondern gelebt werden.
Deshalb haben wir uns heute am Ehrenmal der gefallenen sowjetischen Soldaten versammelt und um auch all jener zu gedenken, die ihr Leben geopfert haben um das Ende des 2. Weltkrieges und den Beginn des Friedens möglich zu machen.
Denn die wichtigste Lehre aus dem 8. Mai lautet:
Nie wieder.
Nie wieder Krieg.
Nie wieder Diktatur.
Nie wieder Menschenverachtung.
Diese Worte sind keine Floskel.
Sie sind Auftrag.
Der wichtigste humane Auftrag an uns alle für den Frieden in der Welt einzutreten.
Lassen Sie uns jetzt in Stille gedenken.
Ich danke Ihnen.






